Vor 15Jahren sind wir wild auf der Bühne umhergesprungen und haben uns deswegen eher verletzt, als dass wir Musik gemacht haben...“

 

 

Auf 15 erfolgreiche Jahre blicken die finnischen Chartstürmer The Rasmus zurück. Seit dem ganz grossen Durchbruch mit In The Shadows anno 2003 sind die Jungs aus Helsinki aus dem internationalen Rockzirkus nicht mehr wegzudenken. Mit Best Of 2001-2009 gibt es nun eine passende musikalische Bestandsaufnahme, welche die gefeiertsten Hits des Quartetts versammelt; ergänzt um die wunderschöne neue Ballade October & April, die Lauri Ylönen gemeinsam mit Nightwish Frontfrau Anette Olzon eingesungen hat. Für Rockoon! Taucht der Federfreund tief in die Geschichte seiner Band ein.

 

 

Rockoon: Mit eurem „Best Of“- Release feiert ihr 15 Jahre The Rasmus. Wie dürfen wir uns Lauri als einstigen Schuljungen vorstellen?

 Lauri Ylönen: Oh, diese Frage passt genau, denn ich habe mich im Haus meiner Mum gerade durch eine Menge alter Photos aus Kindertagen gewühlt. Eine Zeitung braucht ein paar alte Bilder für das Schulkonzert, das wir zu unserem Jubiläum geben, und da habe ich auch so manches Schulphoto wiederentdeckt. Wir hatten solche Jahrbücher, in denen immer die komplette Klasse abgelichtet ist, und Ich hatte praktisch auf jedem Bild eine andere verrückte Frisur. (lacht) eine Art Konstante. In unserer Clique haben wir andauernd verrückte Sachen gemacht, das auffällige Styling war bloss eine davon. Ich muss jedoch an dieser Stelle betonen, dass wir alle ziemlich gute Schüler waren. Das passte für viele Lehrer irgendwie nicht zusammen. Unsere Freizeit haben wir meistenteils mit Snowboarden und Skateboarden verbracht – es gab einfach nichts Grösseres für uns.

 R: Musstest du diese sportlichen Aktivitäten zugunsten von The Rasmus irgendwann aufgeben?

 Ly: Zumindest musste ich sie stark einschränken. Aber wenn es geht, wagen wir uns mit der Band schon noch auf die Piste. Erst diesen Sommer war ich mal wieder skateboarden und hab` mir gleich böse die Schulter ausgerenkt. Toll, was? So was ist mir in den ganzen Jahren zuvor nicht passiert.

 R: Du hast dein gesamtes Leben in Helsinki verbracht. Warst du froh, nicht in der finnischen Einsamkeit aufzuwachsen?

 Ly: Das kommt darauf an. Als ich noch bei meinen Eltern gelebt habe, wohnten wir ausserhalb Helsinkis, und dort war es sehr ruhig. Ich kann mich aber gut daran erinnern, wie cool wir uns gefühlt haben, als ich mit unserem Bassisten Eero Heinonen in unsere erste eigene Wohnung in der City von Helsinki gezogen bin. Die Wohnung bestand praktisch aus einem Zimmer, kaum 20 Quadratmeter, und hatte weder Dusche noch Toilette. Ein Bad gab es nur auf dem Flur; für die ganze Etage. Doch das war uns meistens egal, und zum Pinkeln haben wir einfach die Spüle benutzt. Ich weiss, ziemlich eklig, aber wir waren 17 und es war uns völlig schnuppe. (lacht) Ausserdem waren wir die mit Abstand coolsten Kids, weil wir als Erste bei den Eltern ausgezogen sind. Also gab es dauernd wilde Partys... eine echt chaotische Zeit.

R: Gut vorstellbar, bei diesen Zuständen. Hat es dir eigentlich immer gefallen, in Finnland zu leben? Auch bevor du dank The Rasmus die gesamte Welt bereist hast?

Ly: Eigentlich ja. Es stimmt, dass ich Finnland noch mehr zu schätzen weiss, seit ich so viel herumgekommen bin, aber ich mochte dieses Land seit jeher. Ich liebe die klare abgesteckten Jahreszeiten. Im Sommer kann man skateboarden, und wenn der Sommer allmählich schwindet, kann man sich bereits auf den Winter und das Snowboarden freuen. Ich mag lange Winterabende, wo es schon um drei Uhr dämmert, geniesse aber auch lange Sommertage, an denen die Sonne

 praktisch nicht untergeht. In LosAngeles zum Beispiel, wo man immer das gleiche Wetter hat, würde ich wahnsinnig werden. Klar sind wir früher als Teenager ganz wild darauf gewesen, auch mal aus Finnland rauszukommen, und sind regelmässig zum Feiern nach London geflogen. Doch so aufregend das war – hier ist es am schönsten.

R: Du hast dich recht bald nach der Bandgründung dazu entschlossen, die Schule zugunsten von The Rasmus zu schmeissen. War das eine schwere Entscheidung?

Ly: Absolut, das war ein richtig grosses Ding! Damals war ich an einer hoch angesehenen Musikschule, die nur sehr wenige Bewerber annimmt. Natürlich hatten meine Eltern dementsprechend hohe Erwartungen an meine dortige Karriere, es lief jedoch nicht mehr so gut wie früher. Wir hatten bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad hier in Finnland, spielten häufig Konzerte und hatten auch schon unsere erste Goldene Schallplatte an der Wand hängen. Ich war immer öfter müde und unkonzentriert in der Schule und habe letztlich die Konsequenten gezogen. Ich hätte es bereut, es nicht zu tun, weil ich spürte, dass wir es mit unserer Band schaffen könnten. Und ich sollte recht behalten. Glücklicherweise konnte ich auch meine Eltern davon überzeugen, sonst wäre es natürlich schwierig geworden. Aber da mein Vater stets von einer eigenen Band geträumt hatte, fiel es mir nicht allzu schwer.

R: Und wie hast du dich an ein Leben als professioneller Musiker gewöhnt? Sofern man sich überhaupt daran gewöhnen kann...

Ly: Niemand von uns ist wirklich ein professioneller Musiker. Dafür haben wir alle zu wenig Talent. (lacht) Bei uns kamen und kommen Glück, Spielfreude und diese Energie, die wir als Band an den Tag legen, zusammen. Noch heute empfinden wir grossen Respekt vor dieser ganzen Sache und sind froh, alles gemeinsam als Band durchstehen zu können. Dadurch wird es einerseits schöner, den Erfolg zu teilen; andererseits erträgt man Rückschläge als Gemeinschaft wesentlich besser. Man kann es eben nicht lernen, in einer Rockband zu spielen.

R: Hättest du denn in der Schule einen alternativen Berufswunsch gehabt?

Ly: Nein, mir war klar, dass ich irgendwas mit Musik machen würde. Schliesslich besuchte ich ein musisches Gymnasium! Ich wollte immer schon in einer Band spielen, da mir Musik bereits als Hörer so viel Kraft schenkte. Eventuell sind sogar meine Eltern schuld, dass ich die Schule geschmissen habe, denn sie waren es ja, die mich mit fünf Jahren zum Klavierunterricht schickten.

R: War es trotz der hohen Erwartungen eine Offenbarung, als du deine erste band gegründet hattest?

Ly: Ja – und das, obwohl wir anfangs lediglich Cover Versionen von Nirvana oder Metallica gespielt haben. Das war zwar schön und gut, aber natürlich noch nicht das Wahre. Das kam erst, als wir unsere ersten eigenen Song schrieben....

R: Was war der erste Song, den du geschrieben hast?

Ly: Das war Myself. Damals war ich 15. und der Refrain besteht nur aus dem Worten „ I can`t be myself“; zum einen natürlich diese typische „Teenage Angst“- Schiene, zum anderen fühlte ich mich mit 15 exakt so. Diesen Titel spielen wir übrigens bei unserem Jubiläumskonzert n der Sporthalle unserer alten Schule. Es ist ein komisches Gefühl, ihn zu proben, immerhin war ich damals ein völlig anderer Mensch.

R: Wie kam euch überhaupt die Idee, ein Konzert in genau jener Sporthalle zu geben, in der ihr vor 15 Jahren euren ersten Gig hattet?

 Ly: Mir kam der Einfall eines Tages, weil ich es einfach total passend fand, nach all den Jahren dort aufzutreten, wo alles begonnen hat. Also rief ich beim Schuldirektor an, was schon seltsam genug war, denn vor 15 Jahren hätte es keinen Menschen gegeben, den ich weniger gern angerufen hätte. (lacht) Anfangs wollte er mir gar nicht glauben, dass es wahrhaftig ich bin, der ihn da gerade anruft, doch letztendlich konnte ich ihn davon überzeugen. Es wird bestimmt lustig – wir haben einige Zuschauer von damals eingeladen und werden auch das eine oder andere uralte Stück präsentieren. Ich hoffe bloss, die Show läuft besser als damals. Vor 15 Jahren sind wir wild auf der Bühne umhergesprungen und haben uns deswegen eher verletzt, als dass wir Musik gemacht haben...

R: Die aktuelle „Best Of“ - CD und dieses Schulkonzert sind ein willkommener Anlass, eure Karriere Revue passieren zu lassen. Welche Stationen stechen für dich besonders hervor?

Ly: Ein sehr wichtiges Ereignis geschah gar nicht lang nach unserer Bandgründung: Wir durften für die Red Hot Chili Pappers eröffnen und konnten vor Tausenden Leuten performen. Nach diesem Konzert waren wir uns sicher, dass wir das für den Rest unseres Lebens tun wollen. Und nach ein paar Jahren, in denen wir vor allem in Finnland erfolgreich waren, ging es mit In The Shadows natürlich erst so richtig los. Dieses Lied war das wichtigste Ereignis in unserer Karriere...

R: ... und ist eines der erfolgreichsten Lieder der finnischen Musikgeschichte. Wie habt ihr erfahren, dass In The Shadows weltweit durch die Decke geht?

Ly: Das war total chaotisch und ging rasend schnell. Der Track ist auf dem gesamten Globus parallel erschienen und überall eingeschlagen wie eine Bombe. Wo wir uns früher über eine tolle Chartplatzierung tagelang gefreut und stundenlang herumtelefoniert haben, bekamen wir bei In The Shadows irgendwann nur noch lauter kurze SMS: Nummer eins in Deutschland, in Polen, wo auch immer. Wir kamen gar nicht mehr hinterher, zumal wir zu jener Zeit auf Tour waren und es irgendwie hinkriegen mussten, nicht völlig den Boden unter den Füssen zu verlieren. Das ist natürlich relativ schwer, wenn dir eine Viertelstunde vor dem Auftritt gesagt wird, dass sich die Single inzwischen eine Million Mal verkauft hat. Das lag ganz einfach jenseits unserer Vorstellungskraft. Heute wünsche ich mir, ich könnte diese Phase noch mal durchleben, um sie intensiver zu geniessen.

R: Trotz allem habt ihr es geschafft, nicht abzuheben, und zeichnet euch seit Jahren durch eine Mangel an Skandalen aus. Oder versteckt ihr sie nur so gut?

Ly: Kann sein, dass wir einfach komplett langweilig sind. Nein, ich war lediglich immer sehr vorsichtig, was mein Privatleben betrifft, und ich bin von Natur aus schüchtern. Ich habe es ausserdem nicht nötig, mich in den Medien gross aufzuplustern, wie das andere finnische Berühmtheiten machen. Das überlasse ich gerne denen, die es nötig haben.

The Rasmus- Das Interview

 

Sonntagabend, 19.02.06, die VIVA-Crew wartet auf die melancholischen Rocker aus Finnland. Diese machen sich gerade warm fürs Konzert- indem sie Playstation spielen!

 

Hallo Zusammen!

Lauri: Hallo Schweiz, hallo VIVA wir freuen uns, dass wir mit userem Finnischen paket, zusammen mit HIM und Negative auch in die Schweiz kommen konnten.

Aki: Wir haben ja schon einige Male im X-TRA Limmathaus gespielt, das war immer toll, ich glaube wir haben zimmlich viele Fans in der Schweiz.

 

Was Gefällt euch am besten an der Schweiz?

Eero: Natürlich die Schokolade, die ist unglaublich. Ausserdem ist alles immer hervorragend organisiert hier. Manchmal leidet darunter allerdings etwas die Spontanität.

 

Wie kam es dazu, dass ihr mit HIM auf Tour gegangen seid?

Lauri: Vor fünf oder sechs Jahren waren wir in Finnland die Vorband von HIM und nachdem ich mit Ville Valo vor zwei Jahren den Song "Bittersweet" gemacht habe, wussten wir, dass wir mal gemeinsam auf Europa-Tournee gehen sollten.

 

Hattet ihr überhaupt Zeit die HIM-Konzerte auf dieser Tour anzusehen?

Lauri: Ja, fast jedes Konzert von HIM auf dieser Tour konnten wir uns ansehen. Ich mag vor allem das Selbstvertrauen, das HIM auf der Bühne zeigen. Das ist sehr sexy.

 

Eure nächste Single vom Album"Hide From The Sun" heisst "Shot", habt ihr dazu schon ein Video?

Lauri: Nein, aber wir werden morgen nach Fuertevantura fliegen um den Clip zu drehen. Es wird ein Performance-Video bei dem vor allem die Landschafft auch zur Geltung kommen soll. Eigentlich  wollten wir das Video schon einmal drehen, wurden aber von einem Sandsturm gestoppt.

 

Habt Ihr schon einige Songs für das nächste Album?

Lauri: Wir haben zwar schon einige Ideen, hatten aber noch nicht wirklich zeit, diese genauer anzuschauen oder sogar schon aufzunehmen. Ich denke wir werden nach dem Festivals im Sommer ein wenig Zeit haben, um an neuem rumzuprobieren. Ausserdem sind wir ja noch mitten in der Tour für "Hide From The Sun"

 

Apocalyptica Feat. Ville Vallo& Lauri Ylönen: "Bittersweet"


Jetzt kommt die geballte Finnen-Power!

Apocalyptica, die finnische Cello-Rocker, haben für ihre neue Single "Bittersweet" die Sänger von Him und The Rasmus ins Studio geholt.

 

Damit wird ein Traum vieler Düsterrocker-Fans wahr, die schon immer einmal Ville Valo und Lauri Ylönen im Duett erleben wollten. Und das alles wegen einem Computerspiel. Du fragst wiso? Dann lass dir sagen, dass "Bittersweet" der offizielle Song zu " Die Siedler- Das Erbe der Könige" ist. Die Single, die Ville, Lauri und Apocalyptica gemeinsam geschrieben haben, erscheint übrigens am 29.November.

 

Der Clip zur düster-romantischen Bllade wurde in Helsinki unter der Regie von Antti Jokinen gedreht, der bereits für Destiny`s Child und Korn gearbeitet hat. Natürlich passen seine mystischen Bilder wunderbar zur Stimmung des Tracks. Das richtige Futter für nebelverhangende Herbsttage!

The Rasmus Von Der Bühne Gejagt


Eigentlich müsste es sich toll anfühlen, vor mehr als 55`000 begeisterten besuchern beim britischen Traditionsfestival Reading auf der Bühne zu stehen. Dabei hatten Lauri & Co nichts zu lachen....

 

Denn The Rasmus hatten die Rechung ohne das englische Publikum gemacht. Bereits bei den ersten Tönen des The-Rasmus-Auftritts griffen die Festival-Besucher zu Ihren Wurfgeschossen und bombardierten die vollkommen unvorbereiteten Finnen mit Matsch und einem massiven Pfeifkonzert. Die Band verliess die Bühne daraufhin bereits nach einem Song.

 

Nicht viel besser erging es Bad-Boy-Rapper 50 Cent, auch er stand auf der Favoritenliste der Festival-Mobs weit unten wurde ebenfalls mit Buh-Rufen, Plastikflschen und Matsch begrüsst. Auf seine übliche Aufforderung "PUT YOUR HANDS UP IN THE AIR!" , reagierte das Publikum fast wunschgemäss- allerdings war es der Mittelfinger, den es kollektiv zur Bühne richtete.

Eines Morgens sind wir aufgewacht und hatten hier drinnen bei eisigen 14Grad Celsius geschlafen. Und ich war nackt.“ (Lauri Ylönen)

 

Auf einer offiziellen Tour quer durch die Lande sind die Gelegenheiten für ein ausgedehntes, munteres Schwätzchen gezwungenermassen etwas eingeschränkt. So gilt bei unserem Interviewtermin kurz vor dem anstehenden Gig in Frankfurt am Main eine strikte Zeitbegrenzung. Doch von in der Luft schwebender Hektik oder Stress spüren wir bei der sehr herzlichen Begrüssung in dem temporär trauten Heim von The Rasmus, nämlich in ihrem gemütlich-belebten Tourbus, nichts. Sänger Lauri und Drummer Aki entpuppen sich als zuvorkommende Gastgeber, sprühen nur so vor Redefreudigkeit und sind es am Ende selbst, die das auferlegte Limit deutlich sprengten – was uns natürlich ungemein gefällt!

 

Rockoon: Letztes Mal, als wir euch auf eurer Acoustic-Tour getroffen haben, meintet ihr, dass ihr gerade da die besonders freundlichen und familiären Stimmung schätzt.

Aki Hakala (zwinkert): Und diesmal ist das ja etwas total anderes! (Gelächter) Nein! Ich denke, wir konnten ein paar wichtige Einflüsse von der akustiksessions mitnehmen. Zum Beispiel haben Lauri und Eero bei dieser Tour sich viel mit den Fans unterhalten können, und wir hatten ja auch einige zum Singen auf die Bühne geholt. Es gab lauter solche Dinge bei dieser kleinen Minitour, und ich denke, sie hat der Band wirklich gut getan.

Lauri Ylönen: Wir haben anschliessend darüber geredet, dass wir das generell mehr versuchen wollen. Natürlich sind die Live-Shows aggressiver, und es ist nicht ganz dasselbe. Aber es geht mir um all diese Überraschungen, die jede Nacht auf der Bühne möglich waren – wie, wenn die Leute aus dem Publikum ein Lied mit uns singe. Auch eben bei unserem Soundcheck haben wir uns für ein paar neue Arrangements bei den Stücken entschieden. Ach, weisst du, ich würde mich langweilen, die Songs immer auf die gleiche Art zu spielen. Also dachten wir: „Lasst uns hier und da mal was ändern!“ Wir haben es ein paar mall durchgeprobt, und das kann jetzt auch so was von schiefgehn heute Abend. (lacht) Aber egal! Alles kann passieren, und das ist gut so, das hält dich wach. Es gibt dir die Freude am Spielen zurück.

 

R: Die letzte hiesige Tour habt ihr ja für euch die „Grandpa-Tour“ genannt...

AH: Ja, wir haben darüber geredet, weil wir da dieses Paar Schuhe im Tourbus hatten. (sucht) Ah, das ist ja das Modell. (hebt unter allgemeinem Gelächter einen grau karierten Filzhausschlappen in die Höhe)

 

R: Und wie muss dann diese Tour nun heissen?

AH: Hm, die „Boner-Tour“, würde ich sagen.

LY: Ja genau, die „Boner-Tour“. Mit Fleisch dann.

 

R: Empfindet ihr euch inzwischen als Experten, was das Touren angeht?

AH (lacht): „Experten“? Toller Ausdruck. Na ja, wir wissen schon, was wir zu tun haben. Aber ich meine, jeder Tag ist ein neuer Tag. Schön ist bei dieser Tour, dass wir in Länder kommen, wie etwa Mazedonien und Kroatien, wo wir noch nicht waren. Das ist ein interessantes Leben, und kein Tag ist wie der andere.

 

R: Wird es euch nie zwischendurch langweilig?

AH: Klar, manche Tage sind auch mal langweilig, aber dann musst du dir was Interessantes suchen. Manchmal gehen wir sogar spazieren.

LY: Ich habe versucht, mit Eero jeden Tag rauszugehen, oder wir sind mit dem Zug so circa fünf Stadtionen irgendwohin gefahren, um uns umzuschauen. Es ist wichtig für mich, einen Blick auf die Stadt zu werfen und Leute zu treffen, Kaffee zu trinken oder eine Kleinigkeit zu kaufen. Oft haben wir irgendwas Witziges für die spätere Bühnenshow erstanden, einen kleinen Hut oder so. Und dann pfiffen wir diese Version von First Day Of My Life (pfeift virtuos den Anfang der Melodie), so im Wind Of Change-Still. Oder gestern haben wir diesen Scherz gemacht, dass ich als Cousine Heidi aus Österreich mit orangefarbener Perücke und lange Zöpfen auf die Bühne zurückkam. Dazu hat Eero gejodelt (imitiert ihn) und ist lustig rumgetanzt. (lacht) Witziges Zeug eben.

AH: So ist alles entspannter.

LY: Ja, und ausserdem: Die Leute können das Album ja auch zu Hause hören. Auf Tour haben wir die Möglichkeit, neue Versionen der Songs zu bringen und mit dem Publikum zwischen den Songs zu reden. Das bedeutet Entertainment für die Leute. Auf jeden Fall wollen es die Fans, die zu jedem Auftritt kommen. Ich habe einige Leute bei jeder einzelnen Show gesehen. Das ist verrückt; ich weiss nicht, wie sie das machen. Haben die ihren Job gekündigt? Woher nehmen die das Geld? Wir reisen ja teils mit dem Bus bis zu 800Kilometer über Nacht, und sie folgen uns dennoch mit ihren Autos nach. Darum wollen wir auch jedes Mal eine andere Show bieten.

 

R: Ihr werdet bis April nonstop unterwegs sein. Ist der Gedanke, was ihr noch alles vor euch habt, nicht mitunter angsteinflössend?

LY: Nein, das ist aufregend! Wie Aki bereits gesagt hat, wir sehen so viele Orte, wie Mazedonien , Kroatien, Bulgarien und noch mehr. Es sind ja noch nicht einmal alle Konzerte restlos bestätigt. Und eine weitere, sehr aufregende Tour wird dieses Jahr noch auf uns zukommen. Aber wir freuen uns auch auf die Städte, wo wir schon gewesen sind. Wir haben dieses Tourbook, und wenn wir in einem netten Restaurant oder so waren, heben wir die Visitenkärtchen jedes Mal in diesem Buch auf und können dann immer nachlesen: „ Oh, als wir letztes Mal in München waren, war da dieses grossartige indische Restaurant – lasst uns noch mal hingehen“.

 

R: Wie ich nachlesen konnte, gab`s direkt zu Tourbeginn bei euch in gesundheitlicher Hinsicht Probleme.

AH: Stimmt, dazu habe ich was in unseren Blogs bei Myspace geschrieben. Als wir in Köln waren, ging Lauris Stimme bei den ersten beiden Stücken fast weg. Glücklicherweise wurde es danach besser.

 

R: War es eine richtige Grippe oder eher eine Erkältung?

AH: Erkältung!

LY: Ja, wir hatten diesen Unfall mit dem Bus, Eines Morgens sind wir aufgewacht und hatten hier drinnen bei eisigen 14 Grad Celsius geschlafen. Und ich war nackt.

 

R: Aber ihr stammt doch aus Finnland; seid ihr denn nicht abgehärtet?

LY: Na ja, weisst du, nach so einem Gig ist man verschwitzt. Und wenn man dann auch noch ein paar Bier trinkt und es ja plötzlich so warm findet, fängt man sich leicht eine Erkältung ein.

AH: Eigentlich haben wir immer noch was hier verschleppt.

LY: Und du kannst dir sicher vorstellen, wenn wir alle im Bus leben, steckt sich einer nach dem anderen an.

AH: Bei zwölf Leuten auf einem Raum macht das schnell die Runde.

 

R: Wir steuert ihr da schnellstmöglich gegen?

LY: Heute hatten wir einen Arzt vor Ort, der zu uns bestellt wurde. Einer von unseren Soundjungs war wirklich ziemlich krank und hat dann irgendwelche sehr starken Medikamente bekommen.

 

R: Habt ihr auch ein paar traditionelle Geheimrezepte aus Finnland gegen das Kränkeln?

LY: Pauli sagt immer: „Wenn du nicht trinkst, wirst du krank“.

 

R: „Wenn du nicht trinkst....“?

AH (nickt): Also, Wodka ist schon eine ziemlich gute Medizin. Denk mal an die bakterienabtötende Wirkung. Ist natürlich immer die Frage, wie viel Wodka.

 

Diese heilsamen Trinkkuren scheinen ihren Zweck zu erfüllen, denn die beiden Finnen sind kaum zu bremsen und plaudern mit uns im zweiten Teil in der nächsten Ausgabe fröhlich weiter über Black Roses sowie auch einige Details aus ihrem Privatleben.

Da sind schon einige kreative Ideen in der Schwebe.“ (Lauri Ylönen)

 

Zu Gast The Rasmus in ihrem rollendem Zuhause: Die Jungs stehen unter Strom, haben - wie in der letzten Ausgabe berichtet – gerade allesamt mit einer dicken Erkältung gerungen und werden schon in ein paar Minuten die nächste Bühne einer weiteren Stadt entern. Und doch sitzt uns wider Erwarten die lachende und zappelnde Lebensfreude pur in Gestalt von Sänger Lauri und Drummer Aki gegenüber. Gitarrist Pauli Rantasalmi betrachtet im Hintergrund ruhig schweigend unsere Anwesenheit, während Lauri an einem Dimmer für die exquisite Beleuchtung über uns herumspielt. In diesem Teil unseres Interviews geht es unter anderem und Dinge, die dem sympathischem Frontmann spürbar am Herzen liegen: seine Musik, seine Erfahrungen hiermit und sein keiner Sohn.

 

Rockoon: Welches Feedback ist bezüglich eures neuen Albums bereits bei euch angekommen?

Lauri Ylönen: Okay, es sieht zumindest bei den Live-Shows so aus, dass irgendwas mit dem Publikum geschehen ist. Es ist viel älter als noch vor fünf Jahren...

Aki Hakala: ... vielleicht sind`s ja dieselben Leute, nur fünf Jahre älter. (allgemeines Gelächter)

LY: Nein, diese Leute können unmöglich so viel in vier, fünf Jahren gewachsen sein. Als ich die ersten Male hier war, erinnere ich mich an viele kleine, schreiende Mädels und so. Unser Manager war auch ganz erstaunt, dass das Durchschnittsalter nun so um die 30 oder sogar höher liegt.

 

R: Nun ja, ihr seid auch um die 30...

LY: Genau!

AH: Nein, nein, noch nicht! Jetzt noch auf kleinen Fall! (lacht)

LY: Ich denke, dieses allererste The Rasmus.Phänomen, der grösste Hype, ist vorüber,und jetzt kommen viele in erster Linie wegen der Songs. Das fühlt sich nun für mich viel intensiver an, auch wenn es weniger Leute geworden sind (es ist trotzdem immer noch ausverkauft). Jetzt ist es so, dass ich weiss, diese Leute kommen, um unserer Musik zuzuhören. Man kann es geradezu im Raum fühlen. Das ist wunderbar.

 

R: Was habt ihr denn von euch aus dieses Mal anders gemacht?

LY: Wir haben ja bei diesem Album den Sound etwas verändert. Manche Tracks klingen jetzt elektronischer, wie zum Beispiel Livin`In A World Without You. Wir dachten: „Lassen wir dieses Extra so, wie es ist!“ Und dann haben wir wieder rockigere Titel wie Ten Black Roses oder The Fight. Da können wir einfach dem Dong selbst freie Hand lassen und ihn empfinden und ausleben, wenn wir ihn spielen.

AH: Und andererseits haben wir Live Forever, wo wir eine rein akustische Version spielen; weniger Power und mehr Stimme. Das ist die andere Seite von The Rasmus.

LY: Da hören dann die Leute genau zu und sind mucksmäuschenstill. Das ist ein volles Gefühl. Ich nehme dabei meine Ohrstöpsel raus und sehe, dass niemand es wagt, sich auch nur zu rühren. Das macht einem eine Gänsehaut.

AH: Und ich liebe es, wenn wir in der Show solche Ups und Downs haben, also, wenn es schnelle Nummern und daneben softes Zeug gibt. Und dann gleich wieder In The Shadows. Diese unterschiedlichen Stimmungen sind toll.

 

R: Auf welches Stück freut ihr euch nachher am meisten?

AH: Ich würde sagen, bei mir ist es The Fight, das ist irgendwie ein Drummersong. (trommelt mit seinen Fingern enthusiastisch auf dem Tisch) Er ist schnell und ein bisschen schwierig. Alles kommt drin vor, es ist ein schöner, heftiger Track. Uns ausserdem ist er vom neuen Album, also frisch. (Lauri steht auf und serviert eine Runde Selters für alle)

R: Und Lauri, was ist dein Lieblingssong?

LY(überlegt lange): Na, ich muss wohl sagen: der Live Forever-Song weil da die Stimmung im Vergleich zu den anderen so extrem anders ist. Es ist ein ruhiges Lied, und das fühlt sich für mich sehr persönlich an. Da singe ich wirklich direkt zum Publikum, und es ist ein bisschen ähnlich wie bei der Acoustic-Tour.

 

R: Wenn ihr für den finnischen Song Leute auf die Bühne holt, ist es da schon mal vorgekommen, dass jemand zu viel Angst hatte?

LY: Yeah, das ist ein paar mal vorgekommen, aber es gibt immer drei oder vier Leute, die sich trauen.

AH: ich hab`aber auch diese kleinen Tipps bei MySpace gestreut- eventuell hast du das auch gelesen-, nämlich, dass wir gerne ein paar Leute mit uns singen lassen würden, und deshalb steht da: „Nächstes Mal könnte es Dich treffen.“ So als Hinweis, vielleicht schnappt es ja jemand auf und bereitet sich dann vor. Aber erst vor ein paar Tagen ist da was passiert...

LY: Ja, dieses Mädchen, sie war so nervös, dass sie keinen Ton raus bringen konnte.

AH: Aber wo war das noch mal?

LY: Ich kann mich nicht erinnern. Oh doch, das war sogar in Finnland! Bei einer TV-Show. Sie konnte sich nicht mal mehr bewegen, und Millionen Zuschauer konnten es im Fernsehen sehen. Aber die Leute hier in Deutschland sind echt der Hammer: Ich gebe ihnen mein Mikrophon, und sie kommen gleich in die Mitte der Bühne. Ja, und da war dieses Mädchen, die meinte zu uns welches Stück wir singen sollten, Rakkauslaulu oder Ufolaulu? Wir haben ja zwei Titel auf Finnisch. Und wir waren ganz überrascht: „Oh, du kennst sie alle beide?“

AH: Und Ufolaulu ist nicht gerade ein einfaches Lied.

LY: Es ist ein wunderschöner, aber auch verrückter Song. Und sie wollte eben den singen und nicht Rakkauslaulu, den wir angeboten haben. So sagten wir: „Wow, okay du bist unser Gast. Tu, was immer du willst.“ Sie war wohl ein grosser Fan.

 

R: Wisst ihr schon , was ihr nach dieser Tour machen werdet?

AH: Wir haben durchaus ein paar Pläne. Bis zum Sommer werden wir natürlich weiter Touren. Wir werden in Spanien und Mexiko sein, und uns erwarten auch noch einige Termine in Russland. Und hoffentlich im Sommer dann noch ein paar Festivals, auch hier in Deutschland. Wahrscheinlich gehen wir im Herbst nach Lateinamerika. Die jetzige Tour ist bisher auch richtig gut; die Gigs sind ausverkauft, und deswegen finde ich, wir sollten auf jeden Fall auch nach Deutschland für ein paar mehr Shows zurückkehren.

LY: Im November gibt es The Rasmus schon 15 Jahre. Da haben wir uns überlegt, vielleicht was Besonderes zu veröffentlichen. Wir haben definitiv schon mal einen wunderschönen Track, den ich gemeinsam im Duett mit der Nightwish-Sängerin, Anette Olzon, eingesungen habe. Möglicherweise stellen wir auch ein paar B-Seiten zusammen oder machen ein spezielles Fanpaket, das wir am 15. Jahrestag veröffentlichen. Und eventuell umschliesst das auch noch eine Tour. Ausserdem denken wir bereits an das nächste Album. Wir sind ja im Moment sowieso viel zusammen und haben Zeit dafür, Da sind schon einige kreative Ideen in der Schwebe.

 

R: Wie haltet ihr unterwegs Kontakt zur Heimat?

AH: Wir haben Internet im Bus.

LY: Ich habe gerade via Skype mit meinem Sohn gesprochen.

 

R: Oh ja, was gibt es denn Neues?

LY: Er hat gestern seinen ersten Zahn bekommen.

AH: Muss schon schmerzhaft sein. Aber weisst du, was noch lustig ist: In zwei Monaten kommen wir noch mal für ein Konzert an exakt diesen Ort hier zurück. Mit Bochum wird es dasselbe sein. Die Show war bereits nach zwei Wochen komplett ausverkauft.

LY: Und was ausserdem noch so los ist: Eero (Heinonen, Bass- Anm.d.Verf.) filmt jede Stadt, in die wir kommen. Zumindest versucht er es. Manchmal haben wir auch einfach zu viele Interviews, und dann geht es nicht. Er befragt zu jeder Stadt eine Person, was sie ihm darüber erzählen kann. Das ist etwas, was wir in Zukunft noch gut verwenden können.

AH: Eero ist wirklich sehr kreativ, er hat auch unser Video zu Your Forgiveness gedreht. Es ist jetzt halb fertig.

 

R: Oh, kannst du uns schon was dazu verraten?

AH (flüstert): Das ist doch ein Geheimnis. Gut, es wird sich stark an den Lyrics orientieren. Eero ist eben immer unser aktiver Part.

LY: Er taucht ständig und überall mit seiner Kamera auf.

AH: Zum Glück ist er gerade nicht hier. (lacht) Oder versteckt er sich vielleicht irgendwo? (schaut sich im Bus um)

 

R: Wenn ihr so viele „on the road“ seid, womit kann man euch eine Freude machen?

LY: Gestern ist eine tolle Sache passiert, da ich ja krank war. Drei Mädchen, die immer hinter uns her reisen, so auch heute, brachten mir Medikamente und Tee – vermutlich habe sie es an meiner Stimme gemerkt - , und das war wirklich sehr nett von ihnen. Sie wollten sich eben um mich kümmern. Und wahrscheinlich auch, dass sie noch mehr von mir hören können.

 

R: Okay, wir kriegen Zeichen, dass die Zeit um ist. Dann bedanken wir uns für das nette Gespräch!

AH: Weisst du, wir haben einen Grund, warum wir hier aufhören müssen. Wir haben ja unsere Supportband Fräulein Wunder, und die spielen heute mit uns zusammen ihr letztes Kontert. Wir wollen ihnen traditionell einige Streiche spielen. Wir wollen ihre Drumsticks ansägen und ihnen Puderzucker aufs Schlagzeug streuen.

LY: Und wir können ihnen noch Wodka in die Wasserflasche füllen.

AH: Also, wenn ihr nachher kleine Mädchen seht, die durchdrehen... (Gelächter)

 

R: Ihr seid ja schon ein bisschen gemein, hm? Die Schlagzeugerin ist doch auch erst 17.

AH: Okay, dann nicht für sie. Danke, dass ihr euch der Sache gerade angenommen habt. Nicht dass wir da noch ernsthaften Ärger bekommen.